Tunis - Tunesiens Metropole
Auf zum Shoppen und Kultur Schauen nach Tunis. Daran haben Sie noch nicht gedacht, dann wird es aber Zeit. Denn in rund 2,5 Stunden ist man in einer quirligen Metropole, die viel an Kultur und Life-Style zu bieten hat. Ob Kulturreise oder Shopping-Weekend, die Hauptstadt Tunesiens eignet sich ideal für einen Kurztrip.
Tunis ist eine Stadt, die zwischen dem Charme von 1001 Nacht, mediterranen Ambiente und europäischer Moderne oszilliert. Die kulturelle Vielfalt ist gigantisch – ob das nun das Bardo-Museum mit seiner weltweit grössten Sammlung römischer Mosaike oder die Konzert- oder Ausstellungslocations in ehemaligen Palästen der Medina. Allein schon von der Architektur her ist ein Rundgang zwischen arabisch-andalusischer Baukunst einen Besuch wert. Und die Medina von Tunis gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Tunis fasziniert aber nicht nur durch seine Medina, sondern auch durch sein europäisches Viertel, dessen architektonischen Art-Deco-Ergüsse so manch einen wohl an Paris erinnern werden. Und wer sich beim Flanieren ein Ruhepäuschen gönnen möchte, für den empfiehlt sich ein Kaffee auf der legendären Avenue Bourguiba, der Prachtstrasse Tunis oder ein Spaziergung durch die grünen Lungen der Stadt, dem Bellevedere-Park.
Die Medina von Tunis
Die Medina gehört zum Weltkulturerbe der Unesco und ist eine wahrhaftige Stadt in der Stadt. Die Medina ist sehr gut erhalten (wunderbare bedeckte Souks, gewölbte Passagen, Moscheen, Medersas und ehemalige Paläste). Ein grosses Labyrinth von verwinkelten Gassen, überdachten Passagen und lebendigen Souks erwartet den Besucher. Die Türen sind hier mit Nägeln beschlagen und mit Steinskulpturen verziert. Und hinter manch einem solchen Eingangsportal finden sich wunderbare Paläste, wie zum Beispiel das Dar Ben Abdallah, in dem heute das Heimatkundemuseum untergebracht ist. Etwas ausserhalb der Medina liegen Sehenswürdigkeiten wie der Bardo-Palast (in einem Teil des Palastes befindet sich das für seine römische Mosaikensammlung bekannte Archäologiemuseum), die ein architektonisches Zeugnis des tunesischen Baustils abgeben. Bunte Keramikkacheln treffen hier auf Steinverzierungen, Marmorintarsien kokettieren mit ziseliertem Stuck.
Die Welt der Medina
Die traditionelle arabische Stadt hat ihre Codes und Geheimnisse. In mehreren tunesischen Städten haben die alten Viertel ihre unwandelbare Struktur beibehalten. Im Herzen der Stadt steht die Grosse Moschee. Sie wird von den Souks, den Marktgassen umgeben, die sie mit den großen Stadttoren verbinden. Die Souks sind in verschiedene Handelssektoren aufgeteilt. Man findet die edlen Handwerke wie Gold- oder Silberschmiede, bestickte Jebbas, Gewänder, besonders feine Webereien, Parfums oder traditionelle Schminke… . Im Mittelteil der Medina sind die Souksstrassen mit schönem, altem Gewölbe bedeckt. Weiter entfernt von dem quirligen Stadtleben zieht sich ein ruhiges Labyrinth aus Gassen, Sackgassen und bedeckten Passagen hin, die zu den Wohnhäusern führen. Die mit Kalk geweißten Mauern lassen nichts aus dem Innenleben der Häuser erahnen: die Häuser mit den kahlen Aussenmauern nehmen ihren Luftzug und das Licht über ihre Innenhöfe. Hier und da sieht man eine mit kräftige Farben bemalte Tür, die mit Nägelmotiven geschmückt ist oder die mit Steinskulpturen umrandet ist. Diese deuten auf einen Hammam, eine Zaouia oder eine schönes, altes Anwesen hin.
Häuser und Paläste
Zahlreiche ehemalige traditionelle Anwesen sind heute in Museen, Sitze öffentlicher Einrichtungen oder Geschäfte umgewandelt. Die Besucher können so den Charme dieser besonderen Architektur entdecken. Der Innenhof ist im Herzen des Hauses. Die "skifa", ein verwinkelter Eingang, der die Intimität des Ortes bewahrt. Die "driba" ist die Eingangshalle der großen Häuser. Das Zimmer ist auf das "qbu" zentriert (prächtig dekorierter Empfangsraum). All diese Elemente stellen das typische arabische Haus dar, das einer uralten Lebenskunst gewidmet ist. Die nüchterne Eleganz der Säulengänge verbindet sich mit der Frische der mit Kacheln verkleideten Wände und der Feinheit der mit ziseliertem Stuck besetzten Decke. Vom einem zum anderem Haus kann man auch die Entwicklung der Stile und der verschiedenen Einflüsse entdecken: hafsidische oder spanisch-maghrebinische Kapitelle, gerade oder bogenförmige Türschwellen, andalusische oder osmanische Motive, Marmoreinlegearbeiten oder Leisten nach italienischem Modell.
Der Name der Stadt geht auf die Göttin Tanit zurück, die in punischer Zeit als Schutzgöttin von Karthago verehrt wurde. Tunis ist eine der ältesten Städte am Mittelmeer. Die numidische Stadt Tunes existierte schon vor dem Eintreffen der ersten phönizischen Kolonisten im 9. Jahrhundert v. Chr. Jedoch stand Tunis in der Antike stets im Schatten des mächtigen Karthago.
Erst nach der arabischen Eroberung und der Zerstörung Karthagos Ende des 7. Jahrhunderts gelangte Tunis zu überregionaler Bedeutung. Unter der Herrschaft der Aghlabiden diente Tunis im 9. Jahrhundert kurzfristig als Residenz. Zu dieser Zeit entstand die Medina mit der Ez-Zitouna- Moschee.
Tunis wurde 1159 unter der Dynastie der Hafsiden die Hauptstadt Ifriqiyas und war ein führendes Handelszentrum mit Europa. 1270 scheiterte ein Eroberungsversuch des französischen Königs Ludwig IX. während des Siebten Kreuzzugs. Erstmals gelangte Tunis 1534 unter türkische Herrschaft. Nur ein Jahr später wurde es aber von Karl V. erobert und unterstand danach spanischem Protektorat, bis Tunis 1574 endgültig in die Hand der Türken fiel. Nach 1591 waren die türkischen Gouverneure (Beys) relativ unabhängig, und die Stadt wuchs als ein Zentrum von Piraten und Handel. Ab 1609 siedelten sich zahlreiche Flüchtlinge aus Andalusien, darunter auch viele Juden, an und trugen zum wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung von Tunis bei.
Im April 1655 war der englische Admiral Robert Blake beauftragt worden, von den Staaten des Mittelmeers, die englische Schiffe angegriffen hatten, eine Entschädigung einzufordern. Nur der Bey von Tunis widersetzte sich, mit dem Resultat, dass Blakes Schiffe das Arsenal des Beys bei Porto Farina (Ghar el Melh) angriffen, wobei sie neun algerische Schiffe und zwei Küstenbatterien zerstörten. Es war das erste Mal in der Seekriegsführung, dass Küstenbatterien ausser Gefecht gesetzt wurden, ohne Landungstruppen einzusetzen.
1881 machten die Franzosen Tunis zum Sitz ihrer Protektoratsverwaltung und nahmen zahlreiche städtebauliche Veränderungen vor. Zwischen der Altstadt und dem Meer entstand eine Neustadt im europäischen Stil und der Stadthafen wurde über einen Schifffahrtskanal durch den See von Tunis mit dem neu angelegten Hafen von La Goulette verbunden. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Tunis von den Achsenmächten von November 1942 bis Mai 1943 gehalten und war deren letzte Basis in Afrika (Afrikakorps/Erwin Rommel).
Nach der Unabhängigkeit Tunesiens im Jahr 1956 wanderten die meisten der Europäer, die zuvor noch fast ein Viertel der Einwohnerschaft ausgemacht hatten, aus. Zugleich führte die Landflucht zu einem grossen Bevölkerungszuwachs und dem Bau von zahlreichen Neubaugebieten. Zwischen 1979 bis 1990 hatte die Arabische Liga ihr Hauptquartier in Tunis.
Sehenswert in Tunis
Das Stadtbild von Tunis ist geprägt vom starken Kontrast zwischen der orientalischen Altstadt und der europäisch anmutenden Neustadt. Die Altstadt (Medina) von Tunis wurde im 9. Jahrhundert von den Aghlabiden angelegt und im 13. Jahrhundert von den Hafsiden umgestaltet. Sie gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Die heute von etwa 20.000 Menschen bewohnte Medina hat eine Ausdehnung von 1500*800m und zeigt den üblichen Aufbau arabischer Altstädte mit einem unregelmässigen Netz aus verwinkelten Gassen. Im Zentrum der Medina steht die Ez-Zitouna-Moschee, nach der Grossen Moschee von Kairouan die wichtigste Moschee Tunesiens.
* Zitouna-Moschee
* Dar Ben Abdallah
* Club Tahar Haddad
* Tourbet El Bey
* Sidi Mahrez Moschee
* Avenue Bourguiba
* Marché central – grosser Markt von Tunis
* Stadttheater
* Belvedere-Park
* Bardo-Museum
Die Ez-Zitouna-Moschee in Tunis
Zu den schönsten Sehenswürdigkeiten in der tunesischen Hauptstadt Tunis zählt die Ez-Zitouna-Moschee, deren Name sich mit Ölbaum Moschee übersetzen lässt. Ein weiterer Name des bedeutenden islamischen Gotteshauses lautet “Grosse Moschee“. Der Besuch der Ez-Zitouna-Moschee in Tunis ist für Nichtmuslime in der Regel auf einen kleinen Bereich des Hofes beschränkt, da der grösste Teil des Gebäudekomplexes ausschliesslich Muslimen vorbehalten ist. Eine derartige Einschränkung besteht nicht zwingend für jede Moschee, sondern wird je nach den örtlichen Gegebenheiten festgelegt. Obgleich die meisten Urlauber die Ez-Zitouna-Moschee nur teilweise besichtigen können, stellt sie eine sehr schöne Sehenswürdigkeit dar, deren Besuch sich kein Reisender entgehen lassen sollte. Sehr viele Bauelemente der Ölbaum Moschee lassen sich auch vom Hof aus gut erkennen. Vom Hof der Ölbaum Moschee aus sehr gut zu erkennen ist das Minarett ebenso wie der innere Aufbau der Moschee, deren Innenraum fünfzehnschiffig ausgestaltet ist. Auch die insgesamt neun Eingänge in die Moschee weisen auf ihre beeindruckende Grösse hin. Nicht zuletzt sind die im Hof der Grossen Moschee von Tunis befindlichen Säulen sehr beeindruckend, viele von ihnen sind durch schöne Ornamente verziert.
Die Ez-Zitouna-Moschee in Tunis war in ihrer Geschichte nicht alleine ein Ort des Gebetes, sondern sie diente auch während eines sehr langen Zeitraums als Zentrum der Gelehrsamkeit. Die Moschee wurde im Jahr 856 erbaut, während der folgenden Jahrhunderte wurden aber zahlreiche Veränderungen vorgenommen. Das Minarett in seiner heutigen Form stammt aus dem neunzehnten Jahrhundert.
Der Umbau der Innenräume der Grossen Moschee in Tunis zu einer der führenden Universitäten der islamischen Welt erfolgte vom dreizehnten bis zum fünfzehnten Jahrhundert. Die Ölbaum Moschee behielt diese Rolle bis zum Jahr 1960, als in Tunis die moderne Universität eröffnet wurde. Gelegen ist die Grosse Moschee in der Altstadt von Tunis. Reizvoll ist auch, nach einer am Tage erfolgten Besichtigung der Moschee während der Nacht zu ihr zurückzukehren und das hell angestrahlte Minarett zu bewundern.
Museen in Tunis
Nationalmuseum Bardo: Das grösste Museum von Tunesien und die weltweit grösste Mosaikensammlung. Frühgeschichte, Antike (punische und numidische Stelen, Statuen und römische Mosaike, Schmuck, christliche Taufkapelle, islamische Kunst (Münzen, Keramik…) Alte Paläste der Beys.
Volkskundemuseum Dar Ben Abdallah: Alltagsleben des Bürgertums aus Tunis (Wachspuppen). Ausstellung zur Herstellung der Chechias. Palast aus dem 19. Jahrhundert, Tunis.
Museum der Militärgeschichte im Palais de la Rose: Geschichte der tunesischen Armee von Hannibal bis zu den Blauhelmen. Modelle, Waffen, Verträge, Uniformen etc. Bey Palast des 18. Jahrhunderts (La Manuba, unweit von Tunis)
Bardo Nationalmuseum in Tunis
Das Bardo Museum befindet sich in der tunesischen Hauptstadt Tunis und ist in zwei früheren Palastgebäuden untergebracht, welche äusserlich eher unscheinbar sind. Der Palast des Bey (Herrschers) von Tunis und der seines höchsten Beamten wurden als zweckmässige Verwaltungsgebäude konzipiert. Im Gegensatz zur schlichten äusseren Fassade strahlen die Innenräume jedoch einen einzigartigen Luxus aus; dieser lässt sich auch heute gut erkennen, wenn der Besucher neben den Ausstellungsstücken des Museums auch die reich verzierten Decken und Wände des Gebäudes betrachtet. Die Hauptaufgabe des Bardo Museums besteht in der Darstellung der tunesischen Geschichte. Unterteilt ist das Museum in die Zeiten der karthagischen, der römischen, der byzantinischen und der arabischen Regierung über die an der Mittelmeerküste gelegenen Gebiete Afrikas.
Zu den umfangreichsten Sammlungen im Bardo Museum gehören Funde aus den Gräbern im nahen Karthago sowie Mosaiken aus der römischen Zeit.Ein besonders schönes Mosaik zeigt den Dichter Virgil und die ihn umgebenden Musen; das Mosaik im Bardo Museum ist das einzige erhaltene Bild, auf welchem Virgil zu sehen ist. Weitere Mosaiken aus römischer Zeit zeigen Bilder aus dem Jagdleben sowie von fröhlichen Weingelagen. Der auffälligste Unterschied zwischen den karthagischen und den römischen Mosaiken besteht darin, dass die Bilder aus Karthago überwiegend den Tod zeigen oder Verstorbene ehren, während die römischen Abbildungen Szenen aus dem Leben zeigen. Eine besondere Gattung stellen Speiseraum-Mosaiken dar, auf diesen sind die unterschiedlichen Speisen dargestellt.
Während im Bardo Museum eine grosse Anzahl der Nahrung zeigenden Mosaiken gezeigt wird, sind sie aus anderen Museen kaum bekannt. Zu den Exponaten aus christlicher Zeit gehören Taufbecken, welche von den in Europa üblichen abweichen, denn in die meisten der im Bardo Museum gezeigten Becken konnte der Täufling vollständig eintauchen. Zu den besonders nennenswerten Exponaten der prähistorischen Abteilung gehört der Schädel eines Neandertalers sowie der eines früheren Urmenschen aus dem australisch-asiatischen Raum. Ein Besuch im Bardo Museum ist während einer Reise nach Tunis sehr zu empfehlen. Für den Rundgang durch das Museum empfiehlt sich ein kompletter Vor- oder Nachmittag. Urlauber, welche ein grosses Interesse an historischen Ausstellungen haben, können dort auch gut einen kompletten Tag verbringen.

