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Vor- und Frühgeschichte
Wie aufgefundene Steingeräte beweisen, war Nordafrika schon in der Altsteinzeit, also vor mehreren hunderttausend Jahren, von Menschen besiedelt. Die erst uns bekannte Bevölkerung waren die Berber. Es gibt nur Vermutungen darüber, woher sie kamen. Aus Funden, die in der Sahara gemacht wurden schliesst die Wissenschaft, dass die Wüste vor zehn Jahrtausenden noch feucht war, Menschen dort also leben konnten. Eine Theorie geht davon aus, dass die Berber dieses Gebiet bewohnten und erst nach der Austrocknung der Sahara in den nordafrikanischen Raum eindrangen. Da die Berber ihre Sprache nie schrieben, gibt es keine schriftlichen Hinweise auf ihre ursprüngliche Heimat. Man weiss kaum mehr über sie, als dass sie primitive Keramik-, Holz und Ledergegenstände für den täglichen Gebrauch herstellten, aus denen sich schliessen lässt, dass sie ein nomadisches oder halbnomadisches Leben führten.

Punische Zeit
Gegen Ende des zweiten vorchristlichen Jahrtausends macht sich das Handelsvolk der Phönizier aus Tyr in Vorderasien auf den Seeweg in Richtung nordafrikanische Küste. Ihre ersten Stützpunkte hatten die Phönizier bereits in Lixus und Gades (Cadiz), die beide unweit der Strasse von Gibraltar errichtet wurden. Es folgte ein weiterer bei Utica am Nordufer des Golfs von Tunis, ein Zwischenlandeplatz auf dem Weg zu den iberischen Gold- und Silberminen im Mündungsgebiet des Guadalquivir. Die eigentliche Zeit der karthagischen Kolonisation begann aber erst mit der Gründung von Karthago (814 v. Chr.), die der legendären Prinzessin Didi (Elissa) zugeschrieben wird. Die vermutliche Massenauswanderung der Phönizier aus Tyr wird von einigen Historikern mit einem dynastiischen Streit zwischen König Pygmalion und seiner Schwester Dido in Zusammenhang gebracht. Andere Vermutungen gehen davon aus, dass der Sieg der Assyrer über die Tyrer (876 v. Chr.) den Anlass gegeben haben könnte. In den ersten Jahrhunderten ihrer Geschichte waren die Karthager ausschliesslich mit Seehandel befasst. Eine wichtige Nahrungsgrundlage waren die Getreidelieferungen aus Sizilien. Zu den Berbern hatten die Karthager wenig Beziehungen. Das änderte sich, nachdem sie eine Schlacht gegen die sizilianischen Griechen verloren hatten. Anschliessend begannen sie, zunächst die in der Umgebung von Karthago lebenden Berber von Grund und Boden zu vertreiben. Im fünften vorchristlichen Jahrhundert hatten die Punier ein Reich errichtet, das etwa von Tabarka bis Sfax reichte. Der Getreideanbau im Inneren Tunesiens blieb zwar den Berbern überlassen, aber deren Stammesbrüder entlang des Mittelmeeres wurden enteignet. Fortan bestellten die Punier das Land vom Küstenteil bis zum Cap Bon. Die intensive Agrarnutzung dieses Gebiets, dazu die Ausbeutung der Kupfer- und Silberminen Sardiniens, gaben der punischen Wirtschaft grossen Auftrieb. Eine seetüchtige Flotte entstand und eine Armee berberischer Söldner wurde aufgestellt. Als unzählige dieser Söldner von den Puniern als Sklaven nach Syrakus verkauft wurden, brach unter den Berbern des besetzten Landes eine Revolte nach der anderen aus, die nach Aussagen des Geschichtsschreibers Diodoros von Sizilien die Existenz Karthagos bedrohten. Gegen Ende des vierten Jahrhunderts v. Chr. entstand eine neue Macht im westlichen Mittelmeer: Rom.

1. Punischer Krieg
Die Römer hatten im Jahre 272 v. Chr. die Herrschaft über ganz Italien errungen. Da sie fürchteten, dass die Punier, die auf Sizilien wieder an Macht gewonnen hatten, ihr Augenmerk auf den Nordostteil der Insel richten könnten, erklärten sie Ihnen den Krieg, der von 264 bis 241 v. Chr. dauern sollte. Nach 23 Jahren Kampf, der mit wechselndem Erfolg teils zur See, teils zu Lande geführt wurde, trugen die Punier schliesslich den Sieg davon, allerdings unter Verlust der Inseln Sizilien, Sardinien und Korsika. Als Ersatz für diesen Gebietsverlust bemächtigten sich die Karthager der Silberbergwerke in Südostspanien, die es ihnen ermöglichten, ihre ruinierten Staatsfinanzen wieder aufzubessern. Sie gründeten Alicante und Barcelona, wenige Jahre später Cartagena (Carthago Nova), das sich zu einer blühenden Handelsstadt entwickeln sollte. Damit aber war für die Römer neuer Konfliktstoff gegeben.

2. Punischer Krieg
Die nächste Auseinandersetzung dauerte von 218 bis 201 v. Chr. Roms Kriegsplan, Spanien und Karthago anzugreifen, wurde durch den überraschenden Kriegszug des karthagischen Feldherrn Hannibal vereitelt: Mit 50 000 Mann, 9000 Reitern und 37 Kriegselefanten marschierte er über die Pyrenäen und die Alpen. Bis vor die Tore Roms war der Sieg stets auf seiner Seite. Dann aber führten Roms Gegenschläge zur Eroberung der karthagischen Kolonie in Spanien und zur Landung der Römer in Nordafrika.Hannibal war damit zur Rückkehr gezwungen. Den Römern war es inzwischen ohne Schwierigkeiten gelungen, mit dem ostnumidischen Berberfürsten Massinissa eine Allianz zu schliessen, mit dessen Hilfe sie die Punier zur Kapitulation zwingen konnten. Diese mussten ihre Kriegselefanten und ihre Flotte an die Sieger abliefern, jeder weitere Kriegszug wurde ihnen untersagt. 50 Jahre musste Karthago Tribut zahlen.

3. Punischer Krieg
Der Berberfürst Massinissa, der sein Reich auf Kosten der Punier hatte vergrössern können, ausserdem einem berberischen Rivalen Westnumidien (mit dem Medjerda-Tal) abgenommen hatte, wurde von Rom immer wieder gegen Karthago aufgehetzt. Als sich die Punier schliesslich gezwungen sahen, in einen von Rom nicht genehmigten Krieg gegen Massinissa zu ziehen, hatten die Römer Anlass zum dritten punischen Krieg (149 - 146 v. Chr.). Während dieser dreijährigen Belagerung leistete Karthago heldenhaft Widerstand. Doch schliesslich wurde die Stadt von den Römern vollkommen niedergebrannt und die Überlebenden wurden in die Sklaverei verschleppt.

Herrschaft Roms
Sie dauerte vom 2.Jhdt. v. Chr. bis zum 5.Jhdt. n. Chr. Die Römer übernahmen karthagisches Gebiet und machten es zur römischen Provinz Africa, deren wichtigste Funktion es war, die Meerenge von Sizilien zu schützen. Im Verlauf des 2.Jhdt. versuchten die Römer daher keine weitere territoriale Ausdehnung auf nordafrikanischem Boden, auch nicht nach dem römischen Sieg über Massinissas Nachfolger Jughurta. Erst ein Jahrhundert später fügte Cäsar dem römischen Reich zwei weitere Provinzen hinzu, den Ostteil Numidiens und Tripolitanien. Der Schwerpunkt römischer Afrika-Politik lag nunmehr auf der Landwirtschaft, die unter römischen Siedlern einen schnellen Aufschwung nahm. Gleichzeitig wurde Karthago prunkvoller denn je wieder aufgebaut. Es wurde eine Romanisierung grossen Stils betrieben, die allerdings auf die Städte beschränkt blieb. Der Reichtum basierte jetzt nicht mehr wie zur punischen Zeit auf dem Seehandel, sondern auf der Landwirtschaft. Der Weizenanbau brachte so hervorragende Ernten ein, dass auch Rom mit Getreide versorgt werden konnte. Daneben wurde der Reben- und Olivenbaumanbau entwickelt. Bauholz und Holz für die Thermenbeheizung wurde ebenso nach Rom verschifft wie Löwen, Panther und Bären aus den Wildtiergehegen für die Gladiatorenkämpfe. Zu der materiellen kam die kulturelle Blüte. Aber die Städte waren zu zahlreich aus dem Boden geschossen und verschlangen mit ihrem Aufwand und ihrer Pracht Unsummen, die von einem Agrarland allmählich nicht mehr aufgebracht werden konnten. Ein weiteres Problem stellten die verarmten einheimischen Bauern dar, die der Landenteignung sowie der militärischen Überlegenheit der Römer nichts entgegenzusetzen hatten. Pausenlose Revolten waren die Folge. Hier und da schlossen sie Allianzen mit mächtigen Gegnern der römischen Machthaber und spielten diese dann geschickt gegeneinander aus. Im 4.Jhdt., als die mehr und mehr zu Tage tretenden Verfallserscheinungen Roms nicht mehr zu übersehen waren, begannen die Berber auch auf religiösem Wege Unruhe zu stiften. Sie schlossen sich den christlichen, schismatischen, strengere Kirchenzucht fordernden Donatisten an, die von der offiziellen katholischen Kirche fanatisch bekämpft wurden. Je mehr diese Sekte verfolgt wurde, desto mehr Anhänger fand sie unter den Berbern. Doch handelte es sich hierbei weniger um einen religiösen als um einen politischen Kampf, denn die Romanisierung ebenso wie die Christianisierung der Berber beschränkte sich mehr oder weniger auf die Stadtbevölkerung, die sich dadurch sozialen Aufstieg erhoffte.

Vandalen und Byzantiner
Im Jahre 439 eroberten die germanischen Wandalen, die 400 Jahre zuvor aus Skandinavien aufgebrochen waren, unter Geiserich die römische Provinz Africa. Im Jahre 455 zogen sie plündernd nach Rom, aus dem sie unermessliche Schätze nach Karthago schleppten. Sardinien, Korsika, Malta und die Balearen kamen unter die Herrschaft der Wandalen. Sie waren Christen, aber sie bekannten sich zum Arianismus, nach dessen Lehre Jesus nicht als Sohn Gottes, sondern als Geschöpf Gottes verehrt wurde. Diese unterschiedliche Auffassung machte die Wandalen zu erbitterten Feinden der orthodoxen römisch-katholischen Kirche in Karthago. Nach dem Tode Geiserichs (477) bekämpften seine Nachfolger die Katholiken mit Feuer und Schwert. Diese Auseinandersetzung nutzten die Berberstämme für pausenlose Angriffe, denen die Wandalen bald nicht mehr gewachsen waren. Der materielle und moralische Verfall des Wandalenreiches war nicht mehr aufzuhalten. Im Jahre 534 wurden die Wandalen von Kaiser Justinians byzantinischer Armee mühelos besiegt. Justinian hatte davon geträumt, das römische Reich im Westen neu zu errichten. Nach der Eroberung des Wandalenreiches war er aber nur noch damit beschäftigt, die neue Provinz gegen die Berber zu verteidigen, die ihn von allen Seiten immer wieder von neuem bedrohten. Trotz des in aller Eile über das ganze Land gezogenen Festungsgürtels gelang es den Byzantinern ebenso wenig wie vor ihnen den Römern und Wandalen, die Berber und ihr Joch zu bezwingen.

Bis zum heutigen Tag haben die Berber ihre traditionelle Lebensweise beibehalten, ohne den Fortschritt abzulehnen - eine bemerkenswerte Tatsache. Die Steuerlast wurde drückender denn je, der Bodenwucher stieg ins Unermessliche und der Beamtenapparat war ebenso korrupt wie die Truppe. In der zweiten Hälfte des 7.Jhdt. setzten die Araber der Herrschaft der Byzantiner ein Ende. Im Jahre 647 fielen die ersten arabischen Invasoren in Afrika, das nunmehr Ifrikija genannt wurde, ein. Zunächst schien es sich eher um Erkundigungsfeldzüge gehandelt zu haben, denn erst nach dem dritten Feldzug. (670) begannen die Araber, eine Grundlage für ihre ständige Herrschaft in Nordafrika zu legen. Die vollständige Unterwerfung der Provinz fand erst zu Beginn des achten Jahrhunderts statt. Die Berber wurden relativ schnell islamisiert und arabisiert. Im Laufe der Zeit nahm aber das Gefühl der Benachteiligung gegenüber den Arabern so zu, dass die gleichsam aus Protest den sunnitischen Islam verliessen, um sich den Kharedschiten anzuschliessen. Diese Glaubensspaltung führte zu schweren Aufständen und kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den sunnitischen Arabern und den kharedschitischen Berbern.

Arabische Eroberung
Im Jahre 800 gelang es dem arabischen Stadthalter Ibrahim Ibn-el Aghlab die Versöhnung mit den Berbern herbeizuführen, wofür ihm vom Kalifat in Bagdad der Emir-Titel verliehen wurde. Kairouan als erste rein arabische Stadt des Maghreb entwickelte sich unter seiner Herrschaft zu einem Zentrum der Religions- und Literaturwissenschaften, deren Lehrkräfte in Bagdad oder Medina ihre Ausbildung erhalten hatten. In dieser Zeit fand der malekitische Ritus Zulauf, den der Richter Malik Ibn Abas aus Medina gelehrt hatte. Im Jahre 827 begann der Emir Sidajar Allah I. die Eroberung Siziliens, die erst nach 50 Jahren erfolgreich beendet war. Damit war die Herrschaft des Islam über das westliche Mittelmeer ausgedehnt. Weitreichende Handelsbeziehungen waren die Folge, die den Küstenstädten Ifrikijas Wohlstand und kulturelle Blüte brachten. Doch führten die letzten Emire des Aghlabiden in Tunis, wohin sie ihre Hauptstadt - weit genug vom strengen orthodoxen Islam der Stadt Kairouan - verlegt hatten, ein prunkvolles und oft ausschweifendes Leben. Der Widerstand im Volk wuchs im gleichen Masse wie die unerträgliche Steuerlast. Verfallserscheinungen zehrten an der Macht der Aghlabiden.

Aghlabiden
Im Jahre 909 wurden die Aghlabiden von den Fatimiden, die sich zum Schiismus bekannten, abgelöst. Der neue Herrscher, Emir Obeid Allah el Mahdi, verlegte die Hauptstadt nach Mahdia, das neu aufgebaut wurde. Unter ihm und seinen drei Nachfolgern erlebte Ifrikija zwar eine Zeit des Wohlstands, aber die Emire interessierten sich weniger für den Maghreb als für Ägypten. Ausserdem blieb der Schiismus des Fatimiderhofs den Berbern fremd. Für die geplante Eroberung Ägyptens bedurfte es beträchtlicher Gelder, so dass der Bevölkerung Steuerlasten aufgelegt wurden, die zu Aufständen führten. Vom sunnitischen Kairouan geschürt und von den Wehrmönchen der Ribats unterstützt kam es immer wieder zu Berberaufständen, die nur mit Schwierigkeiten erstickt werden konnten.

Fatimiden und Ziriden
Nach den beiden misslungenen Feldzügen an den Nil (913 - 914 und 920 - 921) brachte der dritte Erfolg: Ägypten wurde 969 erobert. Kaum 50 Jahre später errichteten die Fatimiden ihr eigenes, von Bagdad unabhängiges Kalifat in Kairo. Ifrikija sank zu einer Vasallenprovinz herab, die im Auftrag der Fatimiden von den berberisch-kharedschitischen Ziriden solange verwaltet wurde, bis diese ihre eigene Dynastie ausriefen, die der Ziriden (1048). Die Fatimiden verziehen diesen Bruch den Ziriden um so weniger, als die Ziriden zur Sunna übertraten (die Fatimiden aber waren Schiiten) und damit die endgültige Arabisierung Ifrikijas einleiteten. Aus Rache bestach der Fatimiden-Kalif die berüchtigten Nomadenhorden der Beni Helal, in das Ziridenreich einzufallen (1057), das sie so vollständig verwüsteten, dass für die nächsten 100 Jahre anarchistische Zustände herrschten.

Almohaden
Die marokkanische Almohaden regierten ein Riesenreich, das ganz Nordafrika bis Tripolitanien und Südspanien umfasste. Zum ersten und zum letzten Mal in der Geschichte war es gelungen, alle Berber unter einem Zepter zu vereinen (1159 - 1230 ). Das Reich war viel zu gross, um von einer Zentralmacht regiert zu werden. Deshalb entsandten die Almohaden Statthalter in die entlegenen Provinzen. Die ersten in Ifrikija eingesetzten Statthalter zeigten sich indes unfähig, die chaotischen Zustände in der Provinz abzustellen und Angriffe von Aussen abzuwehren.

Hafsiden
Erst ein energischer Statthalter aus der marokkanischen Familie der Abu Hafs konnte die Ruhe in der Provinz Ifrikija wieder herstellen. Sein Sohn, Abu Zakaria, schüttelte die Zentralmacht ab, nahm den Emir-Titel an und verkündete die Dynastie der Hafsiden (1230). Unter den Hafsiden öffnete sich das Land den Mittelmeerstaaten, woraus sich ein reger Handelsaustausch ergab. Abgesehen von einem Kreuzfahrerangriff, der 1270 abgeschlagen werden konnte, herrschte fünfzig Jahre hindurch Frieden. Maurische Künstler und Kunsthandwerker, von Spaniens Christen nach Nordafrika vertrieben, verliehen der Hafsiden-Zeit eine besondere kulturelle Prägung. Aber auch andalusische, gut ausgebildete Beamte bestätigten sich zum Wohle des Landes in der Verwaltung, und maurische Landwirte holten aus dem vernachlässigten Boden wieder gute Ernteerträge heraus. In dieser Zeit wurde Tunis, das später dem Land seinen Namen geben sollte, endgültig Hauptstadt. Rivalitäten zwischen den grossen Familien, Streit zwischen den Dynastien und Angriffe von aussen führten zum allmählichen Abstieg der Hafsiden. Im späten 14. und frühen 15. Jhdt. gelang es zwei Hafsidenfürsten noch einmal für kurze Zeit ihre Macht zu stabilisieren. Dann aber brachen von neuem Machtkämpfe um die Nachfolge aus.

Türken und Husseiniten
Im Mittelmeerraum war schon seit langem nicht mehr der Handel die wesentliche Quelle des Reichtums, sondern die organisierte Seeräuberei. In fast allen Hafenstädten brachte die Ausrüstung und Bereitstellung von Kaperschiffen zusammen mit dem Sklavenhandel die meisten Gewinne. Als 1534 der levantinische Pirat Kheir ed-Din Barbarossa für den türkischen Sultan neben anderen Städten auch Bizerte und Tunis erobert hatte, zeigt sich Spanien alarmiert und begann um seine Vorherrschaft im Mittelmeer zu fürchten. Ifrikija wurde zum Zankapfel zwischen Türken und Spaniern. Der spanische Gegenschlag erfolgte 1535, als Karl V Tunis eroberte und den nach Sizilien geflohenen Hafsiden Mulay Hassan nunmehr unter spanischer Oberhoheit als Regenten einsetzte. Schon drei Jahre später erschien der griechische Pirat Dragut, der Gafsa, Kairouan und Djerba für den türkischen Sultan in Besitz nahm. Spanier und Malteser-Ritter starteten 1560 einen Gegenangriff, der in den Gewässern um Djerba kläglich scheiterte. Im Jahre 1574 war das spanische Protektorat endgültig beendet und für dreihundert Jahre wurde Tunesien zu einer Provinz des Osmanenreiches. Einem korsischen Renegaten, Bey Mourad, gelang es, den türkischen Pascha auszuschalten. Er liess sich selbst zum Pascha mit dem Recht der Nachfolge ausrufen (1612 - 1631). Sein Geschlecht herrschte praktisch uneingeschränkt, wenn die türkische Oberhoheit auch bestehen blieb. Nach einem Aufstand der Armee gegen Mourad übernahm Hussein Ben Ali die Macht. Er verkündete die Erbmonarchie der Husseiniten, die bis 1957 auf dem Thron bleiben. Die türkische Oberhoheit blieb bis 1921 bestehen. Den Husseiniten gelang es wieder, die zerrüttete Wirtschaft das Landes zu sanieren, noch fremde Konspirationen auszuschalten. Der Einfluss der Türkei ging zwar im 19. Jhdt. zurück, dafür war aber die wirtschaftliche Präsenz der Franzosen, die bereits Algerien besetzt hatten, ständig im Wachsen. Tunesien trieb einem Staatsbankrott entgegen, der den Franzosen nicht ungelegen kam.

Freiheitskampf
In der Mitte des 19.Jhdt. lebte der zuständige Bey Ahmed etwas zu aufwendig und es blieb nichts anderes übrig, als französische Einflüsse zu akzeptieren. Diese wurden 1881 so stark, dass die Franzosen unter einem Vorwand von Algerien aus kurzerhand in Tunesien einmarschierten. Der Bey musste sich vertraglich einverstanden erklären, dass Tunesien französisches Protektorat wurde. Wir sind nun schon fast in der Gegenwart: Am 03.August 1903 wurde in Monastir Habib Bourguiba geboren. Er studierte in Frankreich, liess sich 1927 in Tunis als Anwalt nieder und gründete 1934 die Neo-Destur-Partei mit dem Ziel, Tunesien zu einem unabhängigen Staat zu machen. Nach einem gescheiterten Umsturzversuch wurden Bourguiba und einige seiner Freunde 1938 verhaftet und nach Frankreich gebracht, wo sie bis 1942 in Haft blieben. Inzwischen hatte der zweite Weltkrieg begonnen. Die Franzosen bauten in Tunesien die sog. Marethlinie aus, weil sie mit einem Angriff der Italiener rechneten. Im November 1942 landeten die Alliierten in Algerien und Marokko, worauf Tunesien von deutschen Truppen im Osten und von Alliierten im Westen besetzt wurde. Am 12. Februar besetzte das Afrika-Corps die Marethlinie, musste sie aber sechs Wochen später wieder räumen. Der Rückzug ging weiter. Am 12.Mai kapitulierten die Soldaten. Habib Bourguiba, der nach Kriegsende erneut für die Unabhängigkeit Tunesiens kämpfte, wurde 1950 zum zweiten Mal verhaftet und über Tabarka und die Sahara nach Frankreich gebracht. Zuerst sagte der Ministerpräsident Mendes-France dem Land die sog. innere Autonomie zu. Aber mit der Rückkehr Bourguibas nach Tunis waren die Würfel gefallen. Es gelang ihm schliesslich, auf dem Verhandlungsweg mit Frankreich Tunesiens Unabhängigkeit zu erringen. Am 20. März 1956 wurde Habib Bourguiba erster Ministerpräsident und noch im gleichen Jahr wurde Tunesien Mitglied der Vereinten Nationen. Am 25. Juli 1957 wurde Tunesien Republik und Habib Bourguiba Staatspräsident. 1961 versuchte Tunesien mit Gewalt die Freigabe von Bizerte zu erreichen, das bis dahin noch französische Marinebasis war. Aber gegen Frankreich war die tunesische Armee unterlegen. Erst auf politischem Weg gelang es im Oktober 1963, den Abzug der Franzosen zu erreichen. Die Freiheit und Unabhängigkeit Tunesiens war geboren.

Die Autokraten Bourguiba und Ben Ali
Die Monarchie wurde 1957 abgeschafft und der starke Mann der Nationalbewegung, Habib Bourguiba (1903-2000), wurde 1959 zum Präsidenten gewählt. Nach einer bis etwa 1969 andauernden Phase mit gemäßigt sozialistischer Ausrichtung. wurde das Regime zunehmend von Unterdrückung, Korruption und Nepotismus geprägt. Der senile Präsident wurde in einer nach der tunesischen Nationalblume Jasmin benannten Revolte 1987 von Premierminister Zine el-Abidine Ben Ali (geb.1936) gestürzt. Der vom Westen wegen seiner anti-islamistischen Politik gestützte Ben Ali errichtete ebenfalls eine autoritäre und kleptokratische Herrschaft.

Die Jasmin-Revolution 2010/11
Der Fall eines sich mutmasslich aus Protest gegen das Regime selbst verbrennenden Kleinhändlers in der nordtunesischen Stadt Sidi Bouzid wirkte am 17. Dezember 2010 als Initialzündung für rasch das ganze Land erfassende Massenproteste. Nach zum Teil gewalttätigen Unruhen, bei denen es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen kam, floh Ben Ali am 14./15. Januar 2012 nach Saudi-Arabien. Der Verfassungsrat bestimmte den Regierungspolitiker Mohamed Ghannouchi (geb. 1941) zum Übergangspremier. Ghannouchi, der wegen seiner eng mit Ben Ali verbundenen politischen Laufbahn in der Bevölkerung kein breites Vertrauen fand, trat Ende Februar zurück.

Sein ebenso umstrittener Nachfolger Beji Caid el Sebs (geb. 1926) wurde am 24. Dezember 2011 von dem ersten nach freien Wahlen ernannten Regierungschef Hamadi Jebali (geb. 1949) abgelöst.Jebali, der jahrelang als politischer Gefangener in Haft gewesen ist, gilt vielen Beobachtern ebenso wie der im Dezember 2011 für ein Jahr zum Präsidenten gewählte Menschenrechtler Moncef Marzouk (geb. 1945) als Garant für eine rechtsstaatliche und freiheitliche Entwicklung in Tunesien. Die von westlichen Pressemedien häufig als (zweite) „Jasmin-Revolution“ bezeichnete Volkserhebung löste als „Arabischer Frühling“ im fast gesamten arabischen Raum ähnliche Bewegungen aus, die unter anderem in Libyen und Ägypten die dortigen Machthaber stürzten.
Das Land schrieb grosse Geschichte
UNESCO Weltkulturerbe in Tunesien

Tunesien zählt acht historische Stätten, die zum Weltkulturerbe der UNESCO gehören:


* Das Kolosseum von El Jem (1979)
* Die Ruinen von Karthago (1979)
* Die Medina von Tunis (1979)
* Der Nationalpark Ichkeul (1980)
* Die punische Stadt Kerkouan und ihre Totenstadt (1985)
* Die Medina von Sousse (1988)
* Die Medina von Kairouan (1988)
* Die Ruinen der antiken Stadt Dougga (Thugga) (1997)




Amphitheater von El Djem

Auf halber Strecke von Sousse nach Sfax liegt der Ort El Djem. In diesem, von Bauern und Webern bewohnten Marktort, steht eines der bedeutendsten antiken Kulturdenkmäler Tunesiens - das römische Amphitheater. Diese Sehenswürdigkeit in El Djem, mit 148m Länge, 122m Breite und 36m Höhe gilt es als das drittgrösste Amphitheater des römischen Imperiums, das fast die Grösse des Kolosseums erreicht. Erbaut wurde das Theater bereits im Jahr 230, um den Reichtum der damaligen Römerstadt Thysdrus zu demonstrieren. Gewaltige Bogengänge liegen in mehreren Etagen übereinander, das ganze ursprünglich umgeben von einer hohen Umfassungsmauer. In der 65 mal 37m messenden Arena fanden zunächst vorwiegend Zirkusspiele mit Sportwettkämpfen, Jagdspielen, Tier- und Wagenrennen statt. Die Spiele waren berühmt und zogen Zuschauer von weither an. Auch warf man Sträflinge und zur Zeit der Christenverfolgung die Anhänger des neuen Glaubens in die Arena und liess sie in einem grauenhaften Massengemetzel durch wilde Tiere hinrichten.

Steigt man hinab in den Graben, der die Arena durchschneidet, kommt man in dunkle Gänge und Gewölbe mit den Vorbereitungsräumen für die Gladiatoren und den Zwingern für die Raubtiere. Bis ins 17. Jahrhundert war das Amphitheater weitgehend intakt. Zuletzt diente es berberischen Rebellen und Steuerflüchtigen als Zufluchtsstätte, welche den Steuereintreibern des zu dieser Zeit herrschenden türkischen Beys Mohammed versuchten zu entgehen. 1695 wurde dann eine breite Bresche in die Aussenmauer des Amphitheaters geschlagen, um sie zur Aufgabe zu zwingen.

Ohne umfassende Restaurierungsarbeiten wären weitere Mauern und Zuschauerränge inzwischen wohl eingestürzt, da sich die Bewohner El Djems aus der Ruine mit Baumaterial versorgten. Ein grosser Teil des Innenraums wurde für die alljährlichen Sommerfestspiele in ein Freilichttheater umgebaut - ein würdiger und stimmungsvoller Rahmen für Aufführungen und Konzerte. Ausser im Ramadan ist diese beeindruckende Sehenswürdigkeit von Tunesien täglich bis Sonnenuntergang geöffnet. Gegen eine kleine Gebühr kann man sich eine Fotoerlaubnis holen und mit der Eintrittskarte für das Amphitheater auch gleichzeitig das Archäologische Museum besuchen, welches nur 500m vom Theater entfernt liegt.

Ruinen von Karthago
Auf einer Halbinsel an der Bucht von Tunis liegt die einst wohl berühmteste Stadt Nordafrikas: die Phöniziergründung Kart-Hadascht alias Karthago. Von der einst mächtigen Handelsstadt sind heute nur noch spärliche Überreste erhalten. Die Ruinen von Karthago findet der Tunesien-Urlauber eingebettet von Villen und Gärten ca. 15 Kilometer westlich von Tunis. In Karthago kann man Sehenswürdigkeiten besichtigen, die über viele Epochen hinweg zerstört und wieder aufgebaut wurden. Gegründet wurde Karthago einst im Jahre 814 vor Christus von phönizischen Siedlern, welche hier nach und nach Wohnsiedlungen und Tempel erschufen.

Obwohl noch unter Einfluss stehend, trennte sich Karthago von seiner Mutterstadt Tyros und wurde somit eine bedeutende See- und Handelsmacht. Eine über 40 Kilometer lange Wehrmauer schützte die Stadt der Punier, die unter den Magoniden (Hamilkar, Hasdrubal, Hannibal) zur dominierenden Handelsmacht im Mittelmeer wurde. Nach dem Sieg der Römer im Jahr 146 v. Chr. wurde Karthago im Dritten Punischen Krieg in Schutt und Asche gelegt.

Erst im Jahre 29 v. Chr. wurde Karthago langsam wieder aufgebaut und angesiedelt. Den ca. 3000 Bewohnern gelang es durch den Handel mit Getreide und Töpferwaren, Karthago zum Aufschwung zu verhelfen und die Stadt wurde somit im 2. Jahrhundert zur viertgrössten Stadt des Römischen Reiches. Die Römer überbauten die Ruinen, und Karthago erlebte als Hauptstadt der Provinz Africa eine Renaissance. Nach der byzantinischen Epoche zerstörten die Araber die einstige Weltstadt. Ausgrabungen der punischen Stadt befinden sich auf dem Byrsa-Burghügel, den heute die Kathedrale St.-Louis krönt, ebenso beim Tophet, dem heiligen Bezirk, wo der phönizischen Göttin Tanit einst Menschenopfer dargebracht wurden, und beim Hafen. Aus römischer Zeit stammt die Ruinenanlage der Antonius-Pius-Thermen. Weitere Sehenswürdigkeiten sind Villen mit Mosaiken, mit denen die punische Nekropole überbaut wurde, ein Theater und ein Amphitheater sowie ein Circus und Zisternen.

Durch den Einmarsch der Araber im Jahre 698 wurde Karthago dann endgültig zerstört und diente nur noch als Steinbruch für die Bauten in Tunis und Sousse. Leider wurde Karthago in diesem Zeitraum so stark zerstört, dass heute einige Sehenswürdigkeiten die einstige Pracht nur noch erahnen lassen. Vom Byrsahügel aus kann man heute das gesamte Gelände überblicken.

Direkt am Hügel findet man die Kathedrale St.Louis, welche im Jahr 1890 von den Franzosen erbaut wurde. An der Rückseite der Kathedrale befindet sich das Nationalmuseum, welches der Tunesien-Urlauber unbedingt besuchen sollte. Eine weitere Sehenswürdigkeit in Karthago wäre noch das Amphitheater, welches das grösste Theater des Römischen Reiches war. Etwas bedrückend ist der heilige Ort Topfet, an dem der Sage nach Menschenopfer (Kinder) dargebracht wurden.

Bis heute sind die Ausgrabungen in Karthago nicht abgeschlossen, demnach lohnt es sich diese Sehenswürdigkeit immer wieder neu zu entdecken. Mit der TGM (der elektrischen Schnellbahn) gelangt der Besucher von Tunis aus direkt in die Ruinenstadt.

Medina von Tunis
Rund 700 Baumonumente in der Medina von Tunis, der grössten erhaltenen Altstadt in Nordafrika, zeugen von der Blütezeit der Mittelmeermetropole vor allem zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert.

Das von den Numidern besiedelte antike Tunes, eine der ältesten Städte im Mittelmeerraum, die über einen natürlichen Hafen verfügten, entwickelte sich erst im 7. Jahrhundert nach der Eroberung durch die Araber in rasanter Weise. In der Blütezeit unter den Hafsiden-Herrschern lebten hier über 100000 Menschen. Im 16. Jahrhundert eroberten die Osmanen die von ausländischen Mächten begehrte Metropole. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts brachten rund 80000 spanische Mauren neuen wirtschaftlichen Auf- schwung. 1881 mussten die türkischen Husseiniten schliesslich der Kolonialmacht Frankreich weichen.

Das bedeutendste Bauwerk der Medina von Tunis ist die Ölbaummoschee (Es-Zitouna) aus dem 8. Jahrhundert, deren 184 Säulen aus Monumenten des antiken Karthago stammen. In einem der vielen Souks wurde im 17. Jahrhundert von den Türken die Sidi-Yussuf-Moschee erbaut, die mit ihrem achteckigen, grün gekachelten Minarett wegweisend für spätere türkische Moscheen war. Weitere bauliche Wegmarken sind das monumentale Hafentor Bab el-Bhar und Tourbet el-Bey, das prächtige Mausoleum der Husseiniten aus dem 18. Jahrhundert.

Ruinen von Dougga/Thugga in Tunesien
Auf dem 70 Hektar grossen Areal der Ausgrabungsstätte von Dougga rund 100 Kilometer südwestlich von Tunis befinden sich die Ruinen einer römischen Siedlung. Auch aus vorrömischer Zeit sind eindrucksvolle Monumente erhalten.

In antiken Quellen wird Thugga (heutiger Name: Dougga) erstmalig erwähnt im Zusammenhang mit einer Expedition des Agathokles gegen Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr. Errichtet auf einer Anhöhe inmitten fruchtbarer Landschaften, war die Siedlung vor ihrer Zugehörigkeit zum römischen Imperium bedeutender Stützpunkt des Punischen Reiches. Unter den vorrömischen Relikten sticht das dreistöckige Ataban-Mausoleum aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. hervor, das als Grabmal eines punischen Prinzen erbaut und mit einer Pyramide gekrönt wurde.

Einen wahren Bauboom erlebte die Stadt ab der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr. bis ins 3. Jahrhundert hinein. Unter Septimius Severus wurde Thugga eine wohlhabende römische Provinzstadt, auf deren Areal zeitweise über 20000 Menschen lebten. Viele Funde und Ruinen stammen aus dieser Zeit. Zahlreiche antike Bauten wurden mittlerweile freigelegt und erschlossen, darunter das von Tempeln gerahmte Forum, das Aquädukt, mit dem das Bad gespeist wurde, ein Theater sowie Villen und für unterschiedliche Zwecke genutzte Häuser.

Nationalpark Ichkeul
Der gut 100 Quadratkilometer grosse Nationalpark umfasst den Lac d’Ichkeul samt Zuflusssystem sowie das Massiv des 511 Meter hohen Djebel Ichkeul. Er ist eines der wichtigsten Feuchtgebiete Nordafrikas.

Die Region um den etwa 110 Quadratkilometer grossen fischreichen Ichkeul-See rund 25 Kilometer südwestlich von Bizerta wird von Bächen aus dem Mogod-Bergland gespeist und ist über den Oued Tindja mit der Lagune von Bizerta verbunden. Der See besteht sowohl aus Süss- als auch aus Salzwasser. In den extrem trockenen Sommermonaten steigt der Salzwassergehalt, bei starken Regenfällen nimmt der Süsswasseranteil zu. Die Seeregion ist Lebensraum zahlreicher Vogelarten und Ufergewächse.

In der fruchtbaren Sumpfoase wachsen u.a. verschiedene Binsenarten, Sumpf- und Schwertlilien, Schilfrohr und auch Seerosen. Tunesiens grösste Säugetiere, Wasserbüffel mit einem Gewicht von bis zu 1200 Kilogramm, sowie annähernd 200 Vogelarten, vorwiegend Wasservögel wie Enten und Blesshühner, haben im Schutzgebiet ihr Refugium. Im Winter ist es das Quartier Hunderttausender von Zugvögeln aus Europa. Nirgendwo sonst in Nordafrika gibt es so viele Graugänse. Das Areal beherbergt ausserdem noch einige Fossilienfundstätten von Hominiden, Primaten und ausgestorbenen Grosssäugern.

Medina von Sousse
Das antike Hadrumet war einst eine bedeutende phönizische Niederlassung, die im 7. Jahrhundert von den Arabern zerstört wurde. Unter der Dynastie der Aghlabiden (800-909) neu gegründet, erlebte die Hafenstadt einen raschen Aufstieg.

Die im 9. Jahrhundert entstandene Medina, die im Lauf der Zeit kaum verändert wurde und noch von der originalen Stadtmauer umgeben ist, zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen arabischer Baukunst. Die Grosse Moschee wurde kurz nach der Neugründung der Stadt durch die Aghlabiden im Stil einer Festung mit Mauern und Ecktürmen erbaut. Neben der Moschee, unweit des Eingangs der Medina, erhebt sich der Turm des Ribat.

Er war Teil einer um 800 entstandenen Befestigungsanlage an der Küste, die aus einer Reihe von Wehrklöstern - sogenannten Ribats - bestand. Hier lebten "Krieger-Mönche", die Angriffs- und Verteidigungskriege führten, gleichzeitig aber auch der Bevölkerung Schutz vor Überfällen boten. Ein weiteres herausragendes Monument aus der Aghlabidenära ist die um 840 errichtete Bou-Fatata-Moschee. Im Südwesten der Altstadt befindet sich die Kasbah, die heute das Archäologische Museum mit Exponaten aus punischer, römischer und frühchristlicher Zeit beherbergt. Ihr Turm Khalef el-Fatah dient noch heute als Leuchtturm.

Medina von Kairouan
Die rund 150 Kilometer südlich von Tunis gelegene Stadt wurde von dem Omaijaden-Sprössling Ukba ibn Nafi um 670 als ein Vorposten des arabischen Erobererheeres gegründet. Unter den Aghlabiden erlebte sie um 900 ihre Blütezeit.

Die Medina von Kairouan ist noch von der ursprünglichen Stadtmauer umgeben. Sie hatte sich rund um die Große Moschee entwickelt, die noch im Gründungsjahr von Kairouan begonnen worden war. Als bedeutendstes und ältestes islamisches Bauwerk Nordafrikas wurde die Moschee Vorbild für die gesamte maurische Sakralarchitektur der Folgezeit. Der Gebetssaal präsentiert sich als ein Wald aus Marmorsäulen. Der mit Intarsienarbeiten versehene Minbar, die Predigerkanzel, wurde 862 gefertigt und ist damit die älteste erhaltene islamische Kanzel überhaupt.

Die von den Aghlabiden bereits im 9. Jahrhundert angelegten Becken der Wasserreservoire wurden über ein Aquädukt versorgt. Neben der Großen Moschee hat Kairouan weitere herausragende Sakralbauten vorzuweisen: die Barbiermoschee (Zaouia Sidi Sahab), einen Mausoleums- und Medresenkomplex aus dem 17. Jahrhundert, die Moschee Sidi Abid el-Ghariani und die Moschee der drei Tore. Noch heute ist Kairouan eines der bedeutendsten religiösen Zentren des Islam in Nordafrika.

Kerkouane und Nekropole
Die einstige punische Stadt geht wohl auf das 6. Jahrhundert v.Chr. zurück. Im Ersten Punischen Krieg wurde sie von den Römern zerstört. An den gut erhaltenen Ruinen lässt sich die ursprüngliche Siedlungsstruktur ablesen.

Der Ort an der Spitze der Halbinsel Cap Bon ganz im Nordosten Tunesiens dürfte schon vor der Gründung Karthagos ein phönizischer Ankerplatz gewesen sein. Bedeutend ist die heutige archäologische Stätte deshalb, weil es sich dabei um die einzige noch erhaltene punische Stadt handelt. Die hufeisenförmig angelegte, rund zehn Hektar grosse Siedlung, deren ursprünglicher Name unbekannt ist, grenzte mit ihrem Ostteil ans Meer und war durch eine doppelte Mauer bestens geschützt.

Grundmauern und Fundamente der um einen Innenhof mit Brunnen errichteten Häuser und das alte Strassennetz wurden inzwischen freigelegt. Fast jedes Haus besass ein eigenes Bad und verfügte über ein hoch entwickeltes Abwassersystem. Architektonische Details belegen Einflüsse aus anderen Regionen und Kulturen der Mittelmeerregion und sprechen für eine weiträumige Handelstätigkeit der Bewohner von Kerkouane. In einer Purpurmanufaktur wurde der begehrte Farbstoff gewonnen, auf den die Punier das Monopol besassen. Zum Welterbe zählt auch die Nekropole Arg el-Ghazouani mit rund 200 Felsgräbern und Grabkammern.
Geschichte Tunesiens
Tunesien ist ein Land, das zwischen Orient und Okzident oszilliert. Ein Hauch Europa, viel Moderne und natürlich der Charme aus 1001 Nacht und Wüstentraum geben dem Besucher das gewisse Mass an Entfremdung, aber auch an Gewohntem.

Tunesien hat eine 3000 Jahre alte Kulturgeschichte. Zahlreiche Zivili-sationen von Phöniziern über Römern, Byzantinern, Arabern, Mauren, Italiener oder Spaniern haben im ursprünglichen Land der Berber ihre Spuren hinterlassen, die heute in Monumenten und Museen, aber auch in den Gesichtern der Menschen zu sehen sind.